Motorrad - Team - Mannheim

Ligne Maginot

05. August 2007

Web: Thomas       Bericht Thomas  Bilder:  Ilonka, Marina

(c)www.reisebiker.de

 

Am 5. August trafen wir uns um 10:00 wie üblich beim ZRM. Nachdem wir am Freitag ausgiebig unseren Stammtisch bei Julia und Wolfgang gefeiert hatten, waren leider nicht mehr so viele in der Lage, am Sonntag die Tour zu fahren. Besonders bedauerlich war, dass Wolfgang aufgrund seiner Nacken- und Rückenschmerzen nicht teilnehmen konnte. Somit fiel der Tourguide aus. Auch Markus und Vera, die ursprünglich fest zugesagt hatten, fielen aus.

So waren wir nur eine kleine Runde: Marina und Roger, Klaus, Ilonka und Thomas. Da keiner eine Ahnung hatte, wie die ursprünglich angesetzte Taunus-Tour verlaufen sollte, haben wir uns kurzfristig für ein anders Ziel entschieden: Klaus kennt eine gute bäuerliche Wirtschaft bei Drachenbronn.
Wo liegt Drachenbronn??
Nachdem geklärt war, dass Drachenbronn südlich von Wissembourg liegt (da kommt wohl ganz Frankreich in Frage..) und wir als zweites Ziel die Bunker-Festung aus dem Zweiten Weltkrieg bei Schoenenbourg festgelegt hatten, ging´s endlich los.

            

Bei super Wetter "sausten" wir quer durch die Pfalz, durch Landau nach Wissenbourg . Von dort führte uns Klaus über eine schöne Motorradstrecke nach Drachenbronn.

  

Aber noch war die Wirtschaft nicht in Sicht. Erst weit außerhalb von Drachenbronn bog Klaus plötzlich links von der Straße ab und fuhr in den Wald. Und da war sie auch schon, gut versteckt und nur für Kenner zugänglich: "Moulin des 7 Fontaines" hieß die idyllische Wirtschaft, die eigentlich außer uns niemand hätte finden dürfen.

      

Aber es kam ganz anders. Dieser "Geheim"-Tipp war wohl alles andere als geheim. Der Laden war gerammelt voll, und die freienTische waren reserviert.

Wir wurden bereits bedauernd wieder weggeschickt, als Klaus seine genialen Verhandlungskünste einsetzte und wir doch noch einen Platz an der Sonne bekamen. Allerdings mussten wir in 60 Minuten den Tisch räumen. Das war für uns Schnellesser aber kein Problem, zumal uns die Schmusekatzen vom Bauernhof beim Bewältigen der üppigen Portionen halfen. Da war anschließend sogar noch Zeit für Streicheleinheiten.

         
..hoffentlich isst dieser Rocker mir nicht alles weg...                                                                    Klaus, so etwas nennt man "Besteck" !

Gut genährt und pünktlich starteten wir die Weiterfahrt. Das Lokal war wohl auch bei einigen Oldtimer-Fans bekannt, sodass wir noch Gelegenheit hatten, ein paar alte Autos zu bewundern.

     

Weiter ging´s zur Maginot-Linie. Das ist eine Verteidigungslinie der Franzosen aus dem 2. Weltkrieg. Unser Ziel war das Fort de Schoenenbourg, eine unterirdische Bunkeranlage, die zur Besichtigung frei gegeben ist. Allerdings mit festgelegten Öffnungszeiten... wir waren 40 Minuten zu früh da. Nachdem wir das umliegende Gelände erkundet hatten, wurden die Tore des Bunkers geöffnet.

 

 

Ich hatte mir diesen Bunker zugegebenermaßen ganz anders vorgestellt. Nachdem ich bei der Ankunft das in den Berg eingelassene Betonmassiv sah, dachte ich, dass wir wohl in spätestens 30 Minuten wieder auf dem Moped sitzen werden.

Weit gefehlt!!!!

Schon am Eingang wurden wir mit Hinweisschildern vorgewarnt: Die Besichtigung dauert ca. 2 Stunden und im Innern des Bunkers herrschen 12 Grad. Das war eine Überraschung. Also Motorradjacken mitnehmen! Die nächste Überraschung kam mit dem nächsten Schild: es geht ca. 30 Meter in die Tiefe, dazu sind 135 Stufen (ein Weg!) zu bewältigen. "Oje" dachte ich, "draußen knallt die Sonne bei bestem Motorradwetter, und wir verziehen uns in 30 Meter tiefe Bunker". Aber im Nachhinein muss ich zugeben: es hat sich gelohnt! Auch wenn man sich nicht unbedingt für Kriegsgetümmel interessiert, war der Besuch beeindruckend. Und die zwei Stunden Besichtigungszeit war nicht für alte gehbehinderte Menschen angesetzt, wie ich ursprünglich vermutete ("wir schaffen das bestimmt in 1 Stunde"), sondern die Zeit wurde wirklich benötigt.

Nachdem wir die 135 Stufen abwärts bewältigt hatten, fanden wir uns in einem Labyrinth aus unterirdischen Gängen und Räumen wieder (die Vietnamesen müssen das bei den Franzosen abgeguckt haben...). Zum Glück gab es Hinweisschilder, ansonsten wären wir wohl noch heute da unten.


Nur wer den richtigen Schlüssel hat, kommt hier rein

Es war tief beeindruckend, was die Franzosen da in den Berg gehauen haben. Eine Anlage, so groß wie eine Kleinstadt, mit unterirdischen Eisenbahnen (die leider nicht mehr funktionierten, sie hätten uns die Blasen an den Füßen erspart), Bahnhöfen, Weichen und vielen Räumen für die Unterkunft der 3000 Soldaten, die dort monatelang die Stellung halten und teilweise mit 36 Mann auf kleinstem Raum schlafen mussten.

 
Es fährt ein Zug... nach nirgendwo....

   

Eine für diese Zeit einmalige Großküche, die mit elektrischen Strom aus dem bunkereigenen Kraftwerk mit Umspannstationen betrieben wurde, versorgte die Soldaten aus der Vorratskammer, in der heute noch die Lebensmittel in Einmachgläsern zu sehen sind (Guten Appetit!). Selbst Marina, die vor Durst fast umgekommen ist, wollte dann doch nicht aus diesen Gläsern trinken.

 

 

Sogar eine eigene Krankenstation mit Operationssaal war vorhanden, der allerdings vermutlich nicht mehr durch den heutigen TÜV kommen würde.

 
Besteck für "große" Notfälle"

 
Notarztzimmer (oben das Bett!)                                           Das muss wohl ein Vorgängermodell der Computertastatur gewesen sein.

   
Wer ist hier wohl das schärfere Geschoss???


Auffangbehälter für die Patronenhülsen                                                                             Monsieur Maginot, Erbauer der Maginot-Linie

    
Oberkanonier Roger

Nachdem wir schwer beeindruckt und zugegebenermaßen auch etwas bedrückt die kilometerlangen Tunnelschächte hinter uns gebracht hatten (das wäre der ideale Ausflug für Karin gewesen...), freuten sich alle wieder auf die 135 Stufen, die uns ans Tageslicht brachten....

Wir schwangen uns wieder auf die Mopeds mit dem Ziel, Marinas Durst in einem schönen Biergarten in Wissembourg zu löschen. Dank Klaus´ Pfadfinderorientierung wurde dieses Ziel zu 100% erreicht: Ein tolles Biker-Kaffee mit Plätzen unter schattigen Bäumen bildete den Abschluss der Tour.

Der Rückweg verlief ohne Komplikationen, Heizer Klaus voraus, dann die Guzzi und weit abgeschlagen das tonnenschwere Gefährt von Thomas.

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Hier noch mal die Ziele:

"Ferme Auberge du Moulin des 7 Fontaines"
Familie Claude Finck
F - 67160 Drachenbronn-Birlenbach
Tel.: 03 8894 5090
Fax: 0388 94 54 57
http://www.auberge7fontaines.com

Ligne Maginot:
Le Fort de Schoenenbourg
(Zwischen Wissembourg und Soultz)
Kasse geöffnet vom 1. Mai - 30. September täglich 14:00 - 16:00, Sonntags zusätzl. 09:30 - 11:00
Im April und Oktober nur Samstags, Sonntags und an Feiertagen
Eintritt 6.- Euro
http://www.lignemaginot.com (Ein Besuch auf der Web-Site lohnt sich!)